Fast 200 Kinder stehen Ende August gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern in der Turnhalle der Grundschule „Am Kiefernwald“. Sie singen ihr Schullied für Brandenburgs Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) und die weiteren Gäste. Hoffmann ist im Rahmen seiner Schultour nach Spreenhagen in den Landkreis Oder-Spree gekommen. Begleitet wird er von der CDU-Landtagsabgeordneten Kristy Augustin (CDU) und Dirk Jentsch, Schulrat beim Staatlichen Schulamt Frankfurt (Oder). Schulleiterin Ulrike Rockstroh zeigt ihnen eine Schule, in der Kinder entsprechend ihren unterschiedlichen Voraussetzungen lernen können.
Das geht hier derzeit in zehn Klassen. Zum Kollegium gehören 15 Lehrkräfte und zwei pädagogische Unterrichtshilfen. Rockstroh leitet die Schule seit 18 Jahren. Unter ihrer Leitung wurden 2009 die FLEX-Klassen eingeführt. Darin lernen Kinder des ersten und zweiten Schuljahres gemeinsam. Grundschule in Spreenhagen fördert Kinder in FLEX-Klassen Ziel sei es, die Kinder zu selbstständigem Lernen zu befähigen und individuell zu fördern, sagt Rockstroh. Im Schulhaus erinnern kleine Botschaften daran. „Ich bin, wie ich bin, und ich kriege das hin“ oder „Du bist viel mehr als deine Noten“ steht etwa neben einem Spiegel, in dem sich die Kinder bewusst betrachten sollen.
Wie wichtig Ermutigung und zweite Chancen im Bildungsweg sein können, zeigt auch Hoffmanns eigene Geschichte. Seinen Abschluss der zehnten Klasse schaffte er nach eigener Aussage nur knapp, eine Ausbildung brach er ab. Später studierte er über den zweiten Bildungsweg Sozialpädagogik und Soziale Arbeit.
Grundschule in Spreenhagen plant Übergangsstufe
Schulleiterin Ulrike Rockstroh und ihre Stellvertreterin Michaela Bero können sich auf ein stabiles Kollegium stützen: Lehrermangel gebe es nicht, die Fluktuation sei gering. Mit 0,17 Prozent liegt der ersatzlose Unterrichtsausfall an der Schule deutlich unter dem Brandenburger Durchschnitt von 2,24 Prozent. Nun wollen sie das Schulkonzept um eine inklusive Übergangsstufe zwischen Kita und Grundschule erweitern. „Gemeinsam starten“, so der Arbeitstitel, richtet sich an Kinder, die vor der Einschulung noch Entwicklungszeit oder Förderung benötigen, etwa bei Sprache, Motorik, Konzentration oder im sozial-emotionalen Bereich. Die der FLEX-Phase vorgeschaltete Gruppe soll höchstens zwölf Kinder umfassen. Sie verbringen ein bis zwei Unterrichtsblöcke in der Schule, danach werden sie wieder in der Kita betreut. Eine Grundschul-, eine pädagogische und eine sonderpädagogische Fachkraft begleiten sie.
Die Aufnahme soll auf Empfehlung von Kita, Eltern und Grundschule erfolgen. Vorgesehen ist ein Schuljahr, in begrün- deten Fällen ein weiteres Halbjahr. Statt um Lernziele der ersten Klasse geht es um grundlegende Fähigkeiten für den Schulstart. Die anwesenden Elternvertreterinnen trauen der Schule die Umsetzung zu.
Katja Velasco San Martin,Vorsitzende der Elternkonferenz und Elternsprecherin einer FLEX-Klasse, lobt die Einbindung der Familien. „Eltern werden integriert und regelmäßig eingeladen“, sagt sie. „Man fühlt sich mitgenommen.“ Nancy Dobrinski, stellvertretende Vorsitzende der Schulkonferenz, beschreibt die Kommunikation mit der Schulleitung als „auf Augenhöhe“. Sie kennt die Schule als ehemalige Schülerin und als Mutter. Ihre Kinder haben sie besucht oder lernen noch dort.
Hoffmann zeigt sich offen, macht aber keine feste Zusage
Gordon Hoffmann bewertet die Idee grundsätzlich positiv. Lehrkräfte äußerten häufig den Wunsch, dass Kinder in den Kitas besser auf die Schule vorbereitet würden, sagt er. Zugleich müsse das Konzept den Kindern weiterhin genügend Raum zum Spielen lassen. Entscheidend ist nun, ob sich das Projekt rechtlich und personell umsetzen lässt.
Nach den Vorstellungen der Schule soll die Übergangsstufe als schulische Maßnahme im Rahmen des Brandenburgischen Schulgesetzes eingeordnet werden. Die Finanzierung stellt sie sich über den Schulhaushalt und ergänzende Mittel der Jugendhilfe vor. Dafür ist eine Abstimmung mit dem Bildungsministerium nötig. Hoffmann stellt Unterstützung innerhalb der bestehenden rechtlichen und personellen Möglichkeiten in Aussicht. Zusätzliche Lehrkräfte sagte er beim Vor-Ort-Termin jedoch nicht zu. Modellprojekte dürften nicht nur an einzelnen gut aufgestellten Schulen funktionieren, sondern müssten sich später auch auf andere Standorte übertragen lassen, so die Begründung.
Ob und wann Spreenhagen mit der Übergangsstufe starten kann, bleibt noch offen. Rockstroh wird zunächst prüfen, wie sie sich mit dem vorhandenen Personal organisieren lässt. Das Arbeitspapier sieht im ersten Schritt die Bildung einer Steuergruppe und anschließend eine Erprobung vor. Eine wissenschaftliche Begleitung soll unter- suchen, ob das Modell den Schuleinstieg erleichtert und die Lehrkräfte in den ersten Klassen entlastet.
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